IT-Sicherheit für KMU: kostenlose Angebote der Kammern und des BSI
Laut Statistischem Bundesamt zählten 2024 rund 3,2 Millionen Unternehmen in Deutschland zu den kleinen und mittleren Unternehmen. Das sind 99,3 Prozent aller Unternehmen. Der ganz überwiegende Teil davon sind Kleinst- und Kleinunternehmen nach EU-Definition, also Betriebe mit weniger als 50 Beschäftigten und höchstens 10 Millionen Euro Jahresumsatz.
Wegen dieser Größe gibt es dort in der Regel kein dediziertes IT-Personal und schon gar keine eigene Security-Abteilung. IT-Sicherheit ist ein Kostenfaktor, der direkt mit dem Tagesgeschäft konkurriert. Angreifer haben das längst bemerkt. Ein "zu klein für einen Angriff" gibt es in der Praxis nicht mehr, denn ein großer Teil der Angriffe läuft automatisiert und ungezielt. Gescannt wird, was erreichbar ist, und erst danach schaut jemand nachts auf die Liste der Treffer. Wie das am unteren Ende der Größenskala aussieht, also bei Selbstständigen und Betrieben mit einer Handvoll Beschäftigten, haben wir in Security für Selbstständige beschrieben.
Viele dieser Unternehmen sind für den Betrieb ihrer Infrastruktur auf externe Unterstützung angewiesen. Server, Backup, Firewall und Mailsystem laufen häufig als Managed Service bei einem IT-Dienstleister oder Systemhaus. Im Alltag funktioniert das gut. Bei der Frage, wie gut Dein Unternehmen gegen einen Angriff aufgestellt ist, hilft es aber nur begrenzt weiter, weil dafür ein Blick von außen auf die eigene Organisation nötig ist.
Genau an dieser Stelle gibt es deutlich mehr kostenfreie und geförderte Angebote, als die meisten Betriebe kennen. Vier davon halte ich für besonders lohnend.
Industrie- und Handelskammern
Viele IHKs in Deutschland bieten Austauschformate und Webinare zu IT- und Informationssicherheit an. Für Dich als Mitglied sind diese Angebote in den meisten Fällen kostenfrei, weil Du sie über den IHK-Beitrag ohnehin schon bezahlst.
Meine IHK, die IHK Nord Westfalen, hat gemeinsam mit dem IT-Forum Nord Westfalen das Expertennetzwerk InfoSec gegründet. Dort engagieren sich ehrenamtlich IT-Sicherheitsexperten aus Wirtschaft und Wissenschaft der Region. Über den Information Security Support des Netzwerks können Unternehmen die Experten direkt zu einzelnen Themen befragen, entweder im Einzelgespräch oder als kompaktes 30-minütiges Webinar.
Einmal im Jahr, meist in der zweiten Jahreshälfte, kommt dazu eine Webinarreihe. Die Themen reichen von Awareness über Cyberversicherungen und Netzwerksicherheit bis hin zu Incident Response.
In diesem Jahr startet die Reihe am 08.09.2026 mit dem Thema Awareness. Am 24.11.2026 darf ich für die IHK das Webinar "Nach einem Cyberangriff, Schadensbegrenzung und Wiederanlauf" halten. In 30 Minuten gebe ich einen Einblick in dieses umfangreiche Thema und packe praktische Tipps aus dem Security-Alltag so, dass sie für ein KMU direkt anwendbar sind. Der Stoff dafür kommt aus der täglichen Arbeit in der Incident Response, also aus Einsätzen, in denen es darum geht, einen Angreifer zu isolieren und das Einfallstor zu finden. Die Teilnahme ist kostenfrei, die Anmeldung läuft über die IHK: zur Anmeldung.
Wenn Deine IHK nicht die Nord Westfalen ist, lohnt trotzdem ein Blick. Nahezu jede Kammer hat einen Ansprechpartner für IT-Sicherheit, und die Formate sind untereinander oft ähnlich aufgebaut.
Handwerkskammern
Gerade im Handwerk ist IT vor allem Werkzeug. Sie läuft im Hintergrund für Kalkulation, Rechnungsstellung, Konstruktion oder Zeiterfassung, und genau deshalb fällt erst dann auf, wie abhängig der Betrieb von ihr ist, wenn sie stillsteht.
Die Handwerkskammern haben dafür ein eigenes Angebot aufgebaut und bieten ihren Mitgliedern praxisnahe Beratung. Dazu kommen Kooperationen mit den IHKs. Die oben genannte Webinarreihe der IHK Nord Westfalen wird beispielsweise gemeinsam mit der Handwerkskammer Münster veranstaltet. Für Dich heißt das, dass Du unabhängig von Deiner Kammerzugehörigkeit teilnehmen kannst.
Allianz für Cyber-Sicherheit des BSI
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hat 2012 gemeinsam mit dem Bitkom die Allianz für Cyber-Sicherheit ins Leben gerufen, kurz ACS. Ziel ist es, die Widerstandsfähigkeit des Standorts Deutschland gegenüber Cyberangriffen zu stärken. Inzwischen gehören dem Netzwerk fast 8.900 Teilnehmende an, Stand Februar 2026. Ich bin dort selbst als Teilnehmer registriert.
Der für Dich praktisch wertvollste Teil sind die Informationen zur aktuellen Sicherheitslage. Sie werden nach dem Traffic Light Protocol eingestuft und enthalten unter anderem Kompromittierungsindikatoren, also Indicators of Compromise oder kurz IOCs. Diese kannst Du an Deine IT weitergeben, um sie in der Firewall zu blockieren oder als Indikator in einem SIEM zu hinterlegen und darauf eine Alarmierung aufzubauen. Damit verschiebt sich allerdings nur die Frage. Wenn so ein Indikator irgendwann wirklich anschlägt, musst Du entscheiden, ob Du einen Fehlalarm vor Dir hast oder einen echten Sicherheitsvorfall, und wer in diesem Fall wann informiert werden muss. Wichtig ist dabei die Vertraulichkeitsstufe: Was mit einer restriktiven TLP-Kennzeichnung kommt, darf nicht einfach im Kundennewsletter landen.
Dazu kommen Veranstaltungen sowie Angebote und Kontingente der ACS-Partner, die regelmäßig kostenfrei zur Verfügung gestellt werden.
Die Teilnahme selbst ist kostenfrei und jederzeit kündbar. Nötig sind eine benannte Ansprechperson und die Unterzeichnung einer Vereinbarung zur Behandlung vertraulicher Informationen. Registrieren kannst Du Dich über das BSI-Portal, das seit Januar 2026 einen neuen Registrierungsprozess für alle Teilnehmer bereitstellt. Der Aufwand liegt bei wenigen Minuten und ist damit das beste Verhältnis von Aufwand zu Nutzen in dieser Liste.
Der CyberRisikoCheck nach DIN SPEC 27076
Wenn Du wissen willst, wie Dein Betrieb tatsächlich dasteht, ist der CyberRisikoCheck der strukturierteste Einstieg.
Das BSI hat dafür gemeinsam mit dem Bundesverband mittelständische Wirtschaft und fast 20 weiteren Partnern ein Konsortium gegründet. Das BSI leitete es, der BVMW übernahm die stellvertretende Leitung. Finanziert wurde die Arbeit vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz im Programm "Mittelstand Digital". Nach acht Monaten stand die DIN SPEC 27076 mit dem Titel "IT-Sicherheitsberatung für kleine und Kleinstunternehmen" und der darauf aufbauende CyberRisikoCheck.
Der Check richtet sich an Unternehmen mit bis zu 50 Beschäftigten und läuft als strukturiertes Interview anhand eines festen Anforderungskatalogs aus sechs Themenbereichen. Am Ende steht ein schriftlicher Bericht mit Punktzahl, priorisierten Handlungsempfehlungen und Hinweisen auf passende Förderprogramme. Eine Zertifizierung ist das ausdrücklich nicht, und die Umsetzung der Anforderungen bedeutet auch noch keine hohe Cybersicherheit. Es geht um ein belastbares Grundniveau und darum, überhaupt einen Anfangspunkt zu haben.
Durchgeführt wird der Check von qualifizierten Dienstleistern. Die Kosten liegen typischerweise im Bereich eines Beratertages und können häufig gefördert werden, etwa über IHKs, Handwerkskammern oder kommunale Wirtschaftsförderungen. Frag dort zuerst nach, bevor Du selbst zahlst.
Die DIN SPEC selbst kannst Du bei DIN Media nach kurzer Anmeldung kostenfrei herunterladen. Das ist auch dann sinnvoll, wenn Du keinen Check beauftragst, denn Du bekommst damit eine ordentliche Checkliste in die Hand.
Und wo fängst Du jetzt an?
Prävention hat im Alltag ein massives Problem: Es tut nicht weh, wenn man sie auf morgen verschiebt. Der Nachteil zeigt sich erst an dem Tag, an dem es zu spät ist.
Wenn Du aus diesem Artikel nur eine einzige Sache mitnimmst, dann investiere heute fünf Minuten in die Registrierung bei der Allianz für Cyber-Sicherheit. Das kostet keinen Cent, bindet keine Ressourcen und liefert Dir sofort belastbare Lageinformationen.
Und die DIN SPEC? Die musst Du Dir als Geschäftsführer gar nicht selbst antun. Schick den Link dazu einfach Deinem IT-Dienstleister oder Admin und frag ihn: "Wo stehen wir da eigentlich?" Alternativ holst Du Dir einen Dienstleister für den CyberRisikoCheck ins Haus, der genau das für Euch übernimmt.
Falls Dir das alles noch zu abstrakt ist und Du einfach mal eine ehrliche Ersteinschätzung brauchst, wo Ihr ansetzen solltet: Dafür gibt es Ask a Responder. Eine halbe Stunde Teams-Call, kein Sales-Pitch, keine Rechnung.
Sollte es bei Dir dagegen gerade akut brennen, bringen Dir weder Leitfäden noch Webinare etwas. Dann spar Dir die Theorie und nutz direkt den roten Notfall-Button oben rechts.